Die 102. Grundschule »Johanna« befindet sich in der Dresdner Johannstadt. Viele unserer Schülerinnen und Schüler sind mit sprachlichen, sozialen und familiären Herausforderungen konfrontiert, beispielsweise durch eine Armutsgefährdung der Familie oder Eltern mit belastenden bzw. wenig privilegierten Bildungsbiografien. Diese unterschiedlichen Lebenssituationen erfordern besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung, eröffnen zugleich aber wertvolle Chancen für Perspektivwechsel, soziales Lernen und ein lebendiges Miteinander.
Allerdings gelingt Vielfalt nicht von allein: Sie braucht Toleranz, Respekt und Wertschätzung – und die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv auszutragen. Deshalb ist soziales Lernen ein zentraler Baustein unseres Schulprogramms.
In den vergangenen sieben Jahren haben Schule, Schulsozialarbeit und Hort ein umfassendes Gewaltschutzkonzept entwickelt und kontinuierlich weiterentwickelt. Unser Ziel: Schule soll ein sicherer Ort für alle sein – für Kinder und Erwachsene. Gewalt wollen wir nicht nur im Ernstfall begegnen, sondern ihr aktiv vorbeugen.
Soziales Lernen ist deshalb fest in unserem Schulalltag verankert. Neben dem fachlichen Lernen hat es einen gleichberechtigten Platz im Stundenplan. Eine zentrale Rolle spielen unsere verbindlichen Sozialstunden. Hier lernen die Kinder die Grundlagen der Gewaltfreien Kommunikation kennen, probieren sie aus und übertragen sie Schritt für Schritt in ihren Alltag.
In unserem Vortrag geben wir praxisnahe Einblicke in die Entwicklung und Umsetzung unseres Gewaltschutzkonzepts. Wir zeigen konkrete Methoden, stellen bewährte Strukturen und Rahmenbedingungen vor und berichten offen von unseren Erfahrungen aus der schulischen Praxis.
Unser Ziel: Impulse geben, Mut machen und gemeinsam weiterdenken. Denn wir sind überzeugt: Ein gutes Gewaltschutzkonzept lebt nicht auf dem Papier, sondern im täglichen Miteinander.
Referentinnen:
Kathrin Keßler
Als Schulleiterin einer herausgeforderten Grundschule beschäftigt sich Kathrin Keßler seit vielen Jahren mit Fragen von Bildungsgerechtigkeit und sozialem Lernen. Sie ist Gründungsmitglied des Schulleitungsnetzwerkes »Bildungsgerechtigkeit« Dresden.
Durch ihre langjährige pädagogische Tätigkeit im In- und Ausland bringt sie vielfältige Erfahrungen und Perspektiven mit. In ihrer heutigen Arbeit verbindet sie diese Erfahrungen mit der konkreten schulischen Praxis und setzt sich insbesondere für eine wertschätzende, inklusive und gewaltpräventive Schulkultur ein.
Julia Pörschke
Julia Pörschke studierte Soziale Arbeit an der Evangelischen Hochschule Dresden und ist seit acht Jahren als Schulsozialarbeiterin (Dipl.) an der 102. Grundschule in Dresden tätig. Träger der Schulsozialarbeit ist der Verbund sozialpädagogischer Projekte e.V.
Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Kinderschutz, Bildungsgerechtigkeit, soziales Lernen und Gewaltprävention. Dabei arbeitet sie eng mit Kindern, Lehrkräften, Hortfachkräften, Eltern, dem Jugendamt und weiteren Kooperationspartnern zusammen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung einer Schule als sicherem und verlässlichem Ort für alle Kinder sowie auf der Förderung von Beteiligung und einem respektvollen Miteinander.
Im Rahmen des Fachtags geben Kathrin Keßler und Julia Pörschke Einblicke in die Erfahrungen der 102. Grundschule mit Gewaltprävention, sozialem Lernen und der Entwicklung einer gewaltpräventiven Schulkultur.